Juan Carlos Germann beendet seine langjährige Torhüter-Karriere


 

Auf der Sportanlage Bustelbach kam am Mittwochabend etwas Wehmut auf, denn Torhüter Juan Carlos Germann bestritt nach einer jahrzehntelangen Fussballerkarriere sein letztes Meisterschaftsspiel. Man hätte ihm im Spiel gegen den Meister Allschwil zwar einen Erfolg gegönnt, aber das Resultat (0:2) war an diesem Abend eher zweitrangig. Vielmehr ging es darum, dem verdienten Torhüter die Wertschätzung auszudrücken.  Auch für Roger Bättig, René Brogle und Franco Olivadese war es das letzte Spiel bei der „Senioren 40+“-Mannschaft des FC Eiken/Stein. Dem Trio gebührt ein Lob für den langjährigen vorbildlichen Einsatz.

 

Juan Carlos nicht mehr zwischen den Pfosten in Aktion sehen zu können, ist nur schwer vorstellbar. Er wird die Fussballschuhe aber nicht endgültig an den berühmten Nagel hängen, sondern sich auch weiterhin um die Ausbildung der Steiner Torhüter kümmern. Und dies ist für den FC Stein doch ein höchst erfreulicher Entscheid.

 

Mit 52 Jahren als Torhüter noch immer in der Kategorie „Senioren 40+ Meister“ bestehen zu können, ist schon aussergewöhnlich. Aussergewöhnlich ist auch die Verbundenheit von Juan Carlos zum FC Stein. Er durchlief im Verein vom Kinderfussball bis zu den Senioren 40+ alle Kategorien. Darüber hinaus, und dies ist speziell hervorzuheben, engagiert er sich seit langem als Torhütertrainer und in der Vereinsleitung. Einen solchen Werdegang kann man nur zur Nachahmung empfehlen.

 

Man ist geneigt, Juan Carlos Germann in einem Atemzug mit Gigi Buffon zu nennen. Beide haben dank ihrem Ehrgeiz und Durchhaltewillen sowie ihrer Persönlichkeit Legenden-Status erlangt. Der eine in der Fussballprovinz, der andere in der italienischen Nationalmannschaft. Für Buffon heisst es allerdings noch etwas auf die Zähne beissen, wenn er auf eine ähnlich lange Karriere zurückblicken will wie sein Fricktaler Kollege.

 

Juan Carlos verfügte übrigens nicht nur als Torhüter über viel Talent. Im Kinderfussball-Alter war er selber ein Schreck für die gegnerischen Goalis. Mit seiner körperlichen Präsenz und Schusskraft verhalf er seinem Team zu manchem Erfolgserlebnis. Ein Episödchen aus jener Zeit  habe ich heute noch vor Augen: Bei der Besammlung zu einem E-Junioren-Spiel in Möhlin musste ich der Mannschaft die krankheitsbedingte Absenz von Juan Carlos bekanntgeben. Die Buben waren konsterniert. Den Tränen nahe und ziemlich verdattert, starteten sie ohne Leitwolf ins Spiel. Dieser fehlte an allen Ecken und Enden. Das Steiner Spiel war zumindest in der 1. Halbzeit dementsprechend chaotisch. Man reiste mit einer 0:7-Klatsche und der Erkenntnis nach Hause, dass Juan Carlos unersetzbar war. Vergessen war der gelegentliche Ärger seiner Mitspieler über die Ballverliebtheit ihres Captains.

 

Juan Carlos, du darfst stolz sein auf das, was du als Spieler bis ins „hohe Fussballalter“ geleistet hast. Nicht jeder ist dazu prädestiniert, Kopf und Kragen zu riskieren, wenn es um die Verhinderung von Toren geht. Glücklicherweise gibt es „Verrückte“, die dieses Risiko auf sich nehmen. Wir werden deine stilsicheren Flugeinlagen (mit ganz seltenen Fehlgriffen …) vermissen, freuen uns aber ausserordentlich über deine Bereitschaft, dem FC Stein auch weiterhin in verantwortungsvollen  Funktionen zu dienen.

 

Muchas gracias y buena suerte, Juan Carlos!

 

Fritz Käser

 

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